Worte, die das Leben verändern
Bei Zielsetzungen geht es gar nicht in erster Linie um die Zielerreichung – das mag zunächst überraschen, ist aber der Kern echten Glücks. Glück ist kein Zustand, den du „erreichst“, sondern eine Geisteshaltung. Erreichte Ziele und echtes, dauerhaftes Glücksempfinden haben erstaunlich wenig miteinander zu tun. Was das für den Umgang mit deinen eigenen Niederlagen bedeutet, zeigt dieser Artikel.
Verlieren und ein Verlierer sein sind zwei Paar Stiefel
Siegen kannst du im Leben nicht immer – gewinnen dagegen schon. Ein Sieger braucht immer einen Verlierer. Ein Gewinner nicht. Mit der richtigen mentalen Einstellung kannst du auch aus einer Niederlage als Gewinner hervorgehen, auch wenn es sich am Anfang nicht danach anfühlt. Es ist eine Frage deiner eigenen Bewertung: Setzt du eine Niederlage mit „Ich bin ein Verlierer“ gleich, ist das nur deine eigene Interpretation – nicht die Realität.
Ein wirklicher Verlierer ist, wer eine Niederlage nicht als Chance nutzt, um daran zu wachsen. Eine Niederlage ist etwas Vorübergehendes. Ein Verlierer zu sein ist dagegen ein Stempel, den du dir selbst und lebenslang aufdrückst. Wer verliert, um daraus besser zu werden, bewahrt sein Gefühl von Glück und Motivation auch durch eine Niederlage hindurch. Wer sich selbst als Verlierer definiert, wird zwangsläufig unglücklich.
Ein wichtiger Grundsatz: Alles, was du heute kannst, und wer du heute bist, hast du nur deshalb erreicht, weil du deine Niederlagen und Rückschläge im Leben so weit gebracht haben, wie sie dich gebracht haben. Ist eine Niederlage dann nicht sogar eines der wertvollsten Dinge, die dir passieren können – vielleicht sogar eine Voraussetzung für echtes Glück?
„Alles ist gut, so wie es ist“ – lebst du in einem Chancenbewusstsein?
Vor einigen Jahren sagte einer meiner Mentoren einen Satz zu mir, der mich bis heute begleitet: „Steffen, alles ist gut, so wie es ist.“ Klingt im ersten Moment seltsam, vielleicht sogar provozierend – doch es steckt viel Wahrheit darin. Bekommst du manchmal nicht, was du eigentlich willst, fühlt sich das erstmal unangenehm an. Doch oft verstehst du erst im Nachhinein, wofür es gut war.
Michaela Gläßers verpasste Olympia-Teilnahme
Ich betreute vor einigen Jahren die professionelle Skeletonfahrerin Michaela Gläßer. Sie hatte sich zeit ihres Lebens den großen Traum bewahrt, einmal bei Olympischen Spielen anzutreten. Vor den Winterspielen 2010 in Vancouver hatte sie sich sportlich tatsächlich qualifiziert – doch aus formalen Gründen (sie startete für Tschechien, besaß zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht die tschechische Staatsbürgerschaft) konnte sie ihren Startplatz am Ende nicht wahrnehmen. Für eine Profisportlerin eine bittere Enttäuschung, denn im Laufe einer Karriere bieten sich nur selten Gelegenheiten, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Michaela war am Boden zerstört.
Nur wenige Tage später ereignete sich bei denselben Winterspielen der tragische, tödliche Unfall des georgischen Rennrodlers Nodar Kumaritaschwili beim Abschlusstraining im Whistler Sliding Centre – wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier. Der 21-Jährige verlor die Kontrolle über seinen Schlitten und starb noch am Unfallort. Auf derselben Bahn wäre auch Michaela gestartet. Ob und wie sehr sie selbst gefährdet gewesen wäre, lässt sich im Nachhinein nicht sagen – doch der Gedanke, dass ihr die verpasste Teilnahme möglicherweise sehr viel Glück im Unglück gebracht hat, blieb bei ihr und bei mir hängen.
Was ich damit sagen will: Oft widerfährt uns etwas, das wir im Moment nicht verstehen können. Das Leben verstehst du meistens nur rückwärts – leben musst du es aber vorwärts. Genau diese Geisteshaltung führt zu echtem Glück.
Häufig gestellte Fragen
Heißt das, ich sollte mir keine Ziele mehr setzen?
Nein, im Gegenteil. Ziele geben Richtung und Energie. Der Punkt ist: Dein Glück sollte nicht davon abhängen, ob du ein bestimmtes Ziel erreichst – sondern von der Geisteshaltung, mit der du den Weg dorthin gehst, auch wenn er anders verläuft als geplant.
Wie unterscheide ich zwischen einer Niederlage und dem Gefühl, ein Verlierer zu sein?
Eine Niederlage ist ein konkretes, zeitlich begrenztes Ereignis. Das Gefühl, ein Verlierer zu sein, ist eine Interpretation, die du diesem Ereignis gibst. Frag dich bei einem Rückschlag bewusst: Was genau ist passiert – und was füge ich diesem Ereignis gerade an Bedeutung hinzu?
Was, wenn ich im Nachhinein nicht erkenne, wofür ein Rückschlag gut war?
Das ist normal und muss nicht immer der Fall sein. Nicht jeder Rückschlag lässt sich rückblickend sauber erklären. Entscheidend ist nicht, für jeden Rückschlag eine Erklärung zu finden, sondern die grundsätzliche Offenheit dafür zu bewahren, dass sich Dinge auch anders entwickeln können, als du es dir zum jeweiligen Zeitpunkt gewünscht hättest.
Fazit
Glück ist keine Folge erreichter Ziele, sondern eine Geisteshaltung, mit der du Niederlagen begegnest. Verlieren gehört zum Leben dazu – ein Verlierer zu sein ist eine Entscheidung, die niemand außer dir selbst trifft. Wer Rückschläge als vorübergehend und nicht als endgültiges Urteil über sich selbst betrachtet, bewahrt sich sein Glück auch dann, wenn ein Ziel einmal nicht erreicht wird.





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