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Der Weg zum Traumberuf

24. Jan. 2013
5 Min. Lesezeit

Lebst du in deinem Traumberuf, oder machst du eher einen Job? Die Unterscheidung ist einfach: Ein Job ist etwas, wovon du lebst. Ein Beruf ist etwas, wofür du lebst. Die zentralen Fragen, die du dir stellen musst, um deinen persönlichen Traumberuf zu finden, lauten: Wozu bin ich berufen? Was ist meine Aufgabe und mein Sinn im Leben? Was haben andere Menschen davon, dass es mich gibt – und was würde ich gerne für sie tun?


Warum der Kopf hier nicht die richtigen Antworten liefert

Wenn du deinen Traumberuf herausfinden möchtest, ist es weniger wichtig, rein nach Vernunftkriterien zu gehen. Ob ein Arbeitsplatz sicher ist oder eine Branche gute Zukunftsaussichten hat, sind Argumente für den Kopf – sie beantworten, ob ein Job „vernünftig“ wäre. Der Kopf beantwortet aber nicht die eigentlich entscheidende Frage: „Zu was bin ich berufen?“ Einen Traumberuf findest du über das Gefühl im Herzen, nicht über Vernunftargumente im Kopf.

Frag dich: Worin kann ich mir vorstellen, richtig gut zu werden und dafür einen Großteil meiner Lebenszeit zu investieren? Angenommen, du wärst finanziell unabhängig: Was würdest du so gerne machen, dass du sogar bereit wärst, es kostenlos zu tun? Mit Fragen wie diesen kommst du deiner wirklichen Berufung immer näher.

Auch Hobbys können einen Hinweis auf einen Traumberuf liefern. Wenn du etwas so gerne machst, dass du dafür freiwillig Zeit und Geld investierst, könnte auch die Bereitschaft da sein, das Ganze beruflich zu betreiben. Aber Achtung: Nicht jedes Hobby, das dir Spaß macht, ist automatisch auch deine Berufung! Im Folgenden drei entscheidende Tipps, die dir bei der Suche nach deinem persönlichen Traumberuf helfen.


Tipp 1: Traumberuf = größte Freuden + größte Stärken

Fall nicht auf die Motivationslüge herein: „Wenn du deinen Traumberuf suchst, dann mach das, was dir am meisten Spaß macht.“ Unsinn! Es kann sein, dass der Traumberuf tatsächlich die Tätigkeit ist, die dir am meisten Spaß macht – aber nicht alles, was Spaß macht, ist automatisch deine Berufung. Ein konkretes Beispiel: Viele Menschen singen für ihr Leben gerne, am liebsten stundenlang, im Auto, unter der Dusche, beim Kochen. Doch wirft man bei vielen von ihnen einen Blick auf Talent und Qualität ihrer Gesangskünste, wird schnell klar: Mach es für dich, aber belästige damit niemand anderen. Wir können in bestimmten Tätigkeiten komplett talentfrei sein und trotzdem riesigen Spaß daran haben.

Frag dich zwei Dinge: Erstens, was macht mir im Leben am meisten Freude? Zweitens, was sind meine größten Stärken und Talente? Nimm ein leeres Blatt Papier und mach zwei Spalten. Schreib links deine 15 bis 20 größten Freuden auf, rechts deine 15 bis 20 größten Stärken – auch das, was zu deinen größten Stärken werden könnte, wenn du es trainierst. Fallen dir selbst keine Stärken mehr ein, frag Menschen in deinem engeren Umfeld, denen du vertraust.

Nimm nun deine drei größten Stärken und deine drei größten Freuden und schreib sie zusammen untereinander auf. Dieses Ergebnis ist ein Kontroll-Tool für deinen Traumberuf. Such nun eine berufliche Tätigkeit, bei der du mindestens eine – optimalerweise alle – deiner größten Freuden ausleben kannst, genauso wie mindestens eine deiner größten Stärken. Findest du eine Tätigkeit, die beides erfüllt, wirst du in einem Beruf arbeiten, der dir sehr viel Freude macht und für den du offensichtlich Talent mitbringst. Tiefe Motivationslöcher – Fehlanzeige.


Tipp 2: Das richtige Unternehmen

Versuch nicht primär, ein Unternehmen zu finden, das dich gut bezahlt, sondern eines, bei dem du dich persönlich weiterentwickeln kannst. Finde vorab heraus, welche Möglichkeiten dir dieses Unternehmen bietet, um zu wachsen und besser zu werden. Denn es gibt ein einfaches Gesetz in der Natur: Alles, was nicht wächst, das stirbt. Bekommst du keine Entwicklungsmöglichkeiten in deinem Unternehmen, nimmt dir der Alltagstrott über kurz oder lang jegliche Freude und Motivation. Wirklich gute Unternehmen sind stark darin, ihren Mitarbeitenden Angebote zur Weiterentwicklung zu machen – nicht nur fachlich, sondern auch als Mensch. Denn Unternehmen werden nur besser, wenn die Menschen im Unternehmen besser werden.

Willst du wissen, ob ein Berufsbild langfristig zu dir passt, frag dich: In was für eine Persönlichkeit werde ich mich entwickeln, wenn ich diesen Beruf länger ausübe? Sieh dir dazu Menschen an, die schon länger in diesem Beruf oder Unternehmen arbeiten. Erkennst du immer wieder gleiche Muster? Frag dich, ob das dein Weg ist.

Finde ein Unternehmen, das darauf bedacht ist, dich so gut werden zu lassen, wie du es selbst willst. Gute Chefs achten darauf, dass ihre Mitarbeitenden besser werden als sie selbst. Schlechte Chefs sorgen dafür, dass ihre Mitarbeitenden kleiner und inkompetenter bleiben, um ihre eigene Macht und Kontrolle zu schützen. Doch das Gegenteil führt zu echtem Erfolg: Eine gute Führungskraft ist nicht zwingend die fachlich kompetenteste Person im Unternehmen, sondern sorgt dafür, dass noch kompetentere Menschen für sie arbeiten.


Tipp 3: Der Einstieg

Hast du deinen Traumjob gefunden, bei dem dir das Herz aufgeht, wenn du nur daran denkst, und ein Unternehmen, für das du unbedingt arbeiten möchtest, dann geh so vor, um wirklich einzusteigen:

  1. Glaub an dich. Das Unternehmen ist nicht nur für dich attraktiv, sondern auch für viele andere – um genommen zu werden, musst du einige Mitbewerber hinter dir lassen. Trittst du nicht selbstbewusst auf, wirst du von der Konkurrenz überrannt. Falls du starke Unsicherheit vor dem Vorstellungsgespräch verspürst: Schauspiel es! Nimm dir vor, für 10 Minuten die Rolle der selbstbewussten Person zu spielen – dein Körper und Kopf gewöhnen sich daran, und die anfängliche Nervosität lässt danach automatisch nach.

  2. Mach etwas Unerwartetes und sorge für eine Überraschung. Bei einer Bewerbung um einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz: Schreib keine typische 0-8-15-Bewerbung, sondern lass dir einen witzigen, intelligenten und außergewöhnlichen Text einfallen. Du musst dich von anderen abheben, um wahrgenommen zu werden. Hier ein Beispiel für eine besonders kreativ geschriebene Bewerbung, die tatsächlich Erfolg hatte.

  3. Das Gleiche gilt für Vorstellungsgespräche: Du bist einzigartig und solltest deine Einzigartigkeit herausstellen. Zu viele Menschen bewerben sich auf die gleiche Art mit den gleichen Sätzen. Sei anders und vermeide Floskeln, die jeder von sich gibt.

  4. Biete zu Beginn deine Arbeitsleistung gegebenenfalls sogar kostenlos an, wenn du eine Stelle wirklich willst – zum Beispiel für 2 bis 4 Wochen, in Absprache mit dem Unternehmen. Das signalisiert deine Begeisterung, überrascht den Chef positiv und erhöht deine Chancen auf den Einstieg. Kläre dabei am besten vorab offen, in welchem Rahmen das rechtlich und organisatorisch sauber möglich ist.


Eine kleine Geschichte zum Mut, aufzufallen

Ein guter Freund von mir wurde vor einigen Jahren zu einem Vorstellungsgespräch bei seiner Traumfirma eingeladen. Zu seiner Überraschung waren auch etwa 20 andere Bewerber eingeladen. Er musste in einem Warteraum warten, bis er aufgerufen wurde, und wurde nervös, weil er dachte: „Wenn ich so spät dran komme, haben die Chefs sich vielleicht schon für einen meiner Vorgänger entschieden.“ Kurzerhand gab er der Sekretärin einen Zettel mit der Bitte, ihn an die Geschäftsleitung weiterzugeben. Als sie das nächste Mal in den Warteraum kam, hieß es nicht mehr „Der Nächste bitte“, sondern gezielt sein Name – die Chefs waren auf ihn aufmerksam geworden. Auf dem Zettel stand: „Entscheiden Sie sich nicht, bevor Sie nicht mit mir gesprochen haben.“ Die Chefs fragten ihn, wie er darauf komme, dass man mit ihm sprechen müsse. Er erklärte seine Begeisterung für den Beruf und die Firma. Nach 30 Minuten hatte er die Stelle.


Häufig gestellte Fragen

Muss mein Hobby automatisch mein Traumberuf sein?

Nein. Ein Hobby kann ein Hinweis sein, wenn du freiwillig Zeit und Geld dafür investierst – aber Freude allein reicht nicht. Entscheidend ist die Kombination aus echter Freude und tatsächlichem Talent, nicht Freude allein.

Was, wenn ich meine größten Stärken selbst nicht kenne?

Frag Menschen in deinem engeren Umfeld, denen du vertraust – etwa Eltern, Freunde, Trainer, Kollegen oder deinen Partner bzw. deine Partnerin. Außenperspektiven zeigen oft Stärken, die einem selbst gar nicht bewusst sind.

Ist es riskant, sich mit einer ungewöhnlichen Bewerbung von der Masse abzuheben?

Ein gewisses Risiko besteht immer, aber uniforme 0-8-15-Bewerbungen gehen in der Masse unter. Wichtig ist, dass Originalität zum Berufsbild und zur eigenen Persönlichkeit passt – dann wird sie eher als Stärke wahrgenommen als als Risiko.


Fazit

Deinen Traumberuf findest du nicht über Vernunftargumente, sondern über die Kombination aus größter Freude und größtem Talent – und über ein Unternehmen, das dich wachsen lässt statt klein hält. Beim Einstieg zählt Mut zur Einzigartigkeit mehr als die perfekte Standardbewerbung.

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