Der Fall Manfred Amerell – Rote Karte für rüde Fouls an sich selbst
Der einsame Tod des bekannten Ex-Fußballschiedsrichters Manfred Amerell im Dezember 2012 macht nachdenklich. Ein Mann, der 1994 das DFB-Pokalfinale vor über 70.000 Menschen leitete und bundesweit bekannt war, lag danach tagelang unentdeckt in seiner Wohnung – niemand hatte ihn vermisst. Seine Geschichte zeigt eindrücklich: Bekanntheit und ein poliertes öffentliches Image ersetzen keine echten, tragfähigen Beziehungen.
Ein bekannter Mann, unbemerkt gestorben
Manfred Amerell starb im Alter von 65 Jahren zwischen dem 6. und 11. Dezember 2012 in seiner Wohnung im Münchner Stadtteil Neuhausen. Ein Bekannter alarmierte die Polizei, nachdem er ihn mehrfach vergeblich zu erreichen versucht hatte. Als sich Einsatzkräfte Zugang zur Wohnung verschafften, wurde Gewissheit, was sich schon abgezeichnet hatte: Amerell war bereits seit rund einer Woche tot. Nach Angaben der Polizei starb er an den Folgen eines Herzinfarkts – ein Fremdverschulden sowie ein Suizid wurden ausdrücklich ausgeschlossen.
Vom gefragten Schiedsrichter zum jahrelangen Rechtsstreit
Amerell arbeitete zunächst als Geschäftsführer beim TSV 1860 München, beim FC Augsburg und beim Karlsruher SC, bevor er ins Schiedsrichterwesen wechselte. Zwischen 1986 und 1994 leitete er 66 Bundesligaspiele, sein Karrierehöhepunkt war 1994 das DFB-Pokalfinale zwischen Werder Bremen und Rot-Weiss Essen. Nach seiner aktiven Laufbahn wurde er Schiedsrichterbeobachter und schließlich Sprecher der DFB-Schiedsrichter – eine Position mit erheblichem Einfluss und Ansehen in seiner Zunft.
Im Februar 2010 wurde publik, dass sich Amerell seinem deutlich jüngeren Schiedsrichterkollegen Michael Kempter gegen dessen Willen sexuell genähert haben sollte. Amerell gab sein Amt als Schiedsrichtersprecher auf, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Es folgte ein jahrelanger, öffentlich ausgetragener Rechtsstreit, der schließlich mit einem Vergleich endete. Amerell fühlte sich vom DFB diffamiert und sah es zunehmend als seine Aufgabe, seinen Ruf zurückzugewinnen. In den Jahren danach ging es für ihn spürbar bergab: Er musste sein Hotel in Augsburg aufgeben, seine Frau trennte sich von ihm, und auch der Kontakt zu seinen Töchtern soll abgerissen sein. Fortan lebte er allein in seiner Fünf-Zimmer-Wohnung.
Warum Beziehungen wichtiger sind als Image
Kann es der Sinn des Lebens sein, sich seinen guten Ruf zurückprozessieren zu wollen? Ist inneres Gleichgewicht wirklich davon abhängig, wie mein Image in der Öffentlichkeit dasteht? Aus meiner Sicht nicht – denn unser Image ist letztlich nur die Vorstellung, die andere Menschen von uns haben. Wer sich stattdessen auf ein gutes persönliches Netzwerk aus Menschen konzentriert, die ihn unterstützen und ihm echte Lebensqualität geben, dem kann sein öffentliches Ansehen relativ egal sein.
Das Wichtigste ist dabei nicht einmal in erster Linie eine gute Beziehung zu anderen Menschen, sondern zunächst eine gute Beziehung zu sich selbst. Wer viel gegen andere kämpft, trägt oft den größten Kampf im Inneren mit sich selbst aus. Die Art, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, lässt häufig Rückschlüsse darauf zu, wie wir mit uns selbst umgehen.
Was wir daraus lernen können
Vielleicht lohnt es sich, öfter die unbequeme Frage zu stellen: Wer würde mich vermissen, wenn ich eine Woche lang nicht erreichbar wäre? Dieser Gedanke kann davor schützen, sich in Ego-Kämpfen um Anerkennung oder Reputation zu verlieren und dabei die eigentlichen Beziehungen im Leben zu vernachlässigen.
Häufig gestellte Fragen
Woran ist Manfred Amerell gestorben?
Laut Polizei starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Ein Suizid sowie ein Fremdverschulden wurden von den Ermittlern ausdrücklich ausgeschlossen.
Was war der Auslöser für Amerells öffentlichen Rechtsstreit?
2010 wurde bekannt, dass er sich seinem Schiedsrichterkollegen Michael Kempter gegen dessen Willen sexuell genähert haben soll. Der daraus entstandene Konflikt mit dem DFB zog sich über Jahre und endete mit einem Vergleich.
Was ist die zentrale Lehre aus seiner Geschichte?
Dass ein gutes öffentliches Image echte, tragfähige Beziehungen nicht ersetzen kann. Wer sein soziales Umfeld über Jahre für einen Kampf um Reputation vernachlässigt, riskiert am Ende genau die Verbundenheit zu verlieren, die im Leben eigentlich zählt.
Fazit
Manfred Amerells Geschichte ist eine eindrückliche Erinnerung daran, dass Bekanntheit und ein makelloses Image wenig wert sind, wenn darüber die echten Beziehungen im eigenen Leben verloren gehen. Die Frage, wer dich vermissen würde, wenn du eine Woche nicht erreichbar wärst, ist unbequem – aber sie lohnt sich.





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